Dr. A. Fürst
Vorlesung 2001/2002
1. Einleitung
2. Klinische Anatomie und Physiologie der Zähne
3. Untersuchung
4. Verschiedene Zahnkrankheiten
5. Spezifische therapeutische Massnahmen
93
% aller Pferde weisen scharfe Zahnspitzen oder andere Zahnerkrankungen auf.
Dies konnte Dr. E. Becker in einer grossen Studie and über 30 000 Pferde
feststellen. Bei 75 % aller Pferde fand er Verletzungen und Wunden an der
Schleimhaut.
Die aus den
Lazaretten gemeldeten Zahlen bestätigen die eigenen seit vielen Jahren
gemachten Beobachtungen, dass es nur wenige Pferde gibt, deren Gebiss als
vollkommen normal bezeichnet werden kann (E. Becker, 1943).
Jede
Störung der Futteraufnahme, die nicht durch eine andere Erkrankung erklärbar
ist, lenkt den Verdacht auf ein Zahnleiden. Besondere Beachtung verdienen:
Verlangsamte Futteraufnahme, vorsichtiges und ungleiches Kauen, Wühlen im
Futter mit schräg gestelltem Kopf, Fallenlassen von Futterbissen, Kaubewegungen
ohne Futter, Knirschen mit den Zähnen, unvermitteltes Zurücktreten vom Futter
oder Zurückschrecken bei der Aufnahme von kaltem Wasser.
Zahnkrankheiten
sind häufig auch Ursache von Allgemeinstörungen wie Abmagerung, Durchfall,
Kolik oder Veränderungen des Haarkleides.
Besonders
bei den Pferden werden Zahnkrankheiten häufig übersehen oder erst spät
diagnostiziert, weil die hintersten Backenzähne für die Inspektion und
Palpation schwer zugänglich sind. Eine genaue Untersuchung der Maulhöhle ist
deshalb in allen Fällen einer gestörten Futteraufnahme oder bei
Allgemeinerkrankungen wie Abmagerung und/oder Durchfall unerlässlich.
Infolge
der Domestikation sind Zahnkrankheiten bei unseren Haustieren ebenso häufig und
wichtig wie beim Menschen. Im Mittelalter war bei verhältnismässig natürlicher
Ernährung nur etwa ein Fünftel der Landbevölkerung an Karies erkrankt, während
bereits die Hälfte aller Klosterinsassen kariöse Zähne aufwies. Die Zahl der
Karieserkrankungen nahm dann deutlich zu, als die Landbevölkerung ihre
Essgewohnheiten änderte. Die Nahrungsmittel wurden durch Mahlen, Backen, Kochen
und Braten verfeinert, wodurch ein intensives Kauen nicht mehr erforderlich
war. Damit wurde die Karies eine wichtige Krankheit bei den Menschen und dominiert
noch heute die Zahnheilkunde. Auch bei den Pferden ist es infolge der
Domestikation zu einer Aenderung der Futteraufnahme und wahrscheinlich deshalb
auch zu einer starken Zunahme von Zahnerkrankungen gekommen. Zahnkaries ist im
Gegensatz zum Menschen von untergeordneter Bedeutung. Dagegen spielen
Zahnspitzen eine ausserordentlich wichtige Rolle; weiter sind Zahnfrakturen und
Zahninfektionen beim Pferd von grosser Wichtigkeit.
In
den letzten Jahren hat die Pferdezahnheilkunde eine grosse Renaissance erfahren.
Was lange vernachlässigt wurde, wird heute wieder intensiv bearbeitet und auch
gepflegt. Dabei werden selten neue Sachen entdeckt, sondern altbekannte
Tatsachen wieder ausgegraben. Schon im 12. Jahrhundert findet man im arabischen
Schrifttum Angaben über die korrekte Zahnbehandlung beim Pferd. In Deutschland
befasste man sich ab dem 17. Jahrhundert ausführlich mit den Zähnen des
Pferdes, wobei sich die Zahnbehandlungen auf das Abschleifen von Spitzen und
Haken beschränkten und meistens auch von Hufschmieden durchgeführt wurden. Erst
im 19. Jahrhundert wurde dann das Ausstempeln von Zähnen über eine Trepanation
genauer beschrieben. Herr Forssell beschrieb 1922 ausführlich die Bedeutung der
Karies beim Pferd. Auch wurden schon erste Therapieansätze vorgestellt. In den
dreissiger und vierziger Jahren wurden die Zahnanatomie, -physiologie, sowie
verschiedene Zahnerkrankungen und –behandlungen ausführlich erforscht und auch
beschrieben. Es war dann im deutschsprachigen Raum Dr. Becker, der die
Grundlage für eine rationelle Zahnbehandlung beim Pferd gelegt hat. Auch zur
Therapie von seltenen Zahnerkrankungen findet man in der alten Literatur viele
Angaben.
Während
des Zweiten Weltkriegs wurde die fahrbare Zahnstation in weiten Teilen des
Landes eingesetzt. Leider haben die hohe Kosten dieser Einrichtung zusammen mit
dem starken Rückgang der Pferdehaltung dazu geführt, dass diese Zahnstation in
Vergessenheit geriet. Stattdessen wurden sogenannte Kleingeräte entwickelt. So
sind auch die verschiedenen Zahngeräte keine Erfindung der Neuzeit, denn schon
1954 wurden von Dr. Becker die Vor- und Nachteil eines Kleingerätes für die
Zahnbehandlung beschrieben. Viele verschiedene Aufsätze, eine integrierte
Wasserdüse zum Kühlen und andere Rafinessen haben die Zahnbehandlungen schon
damals deutlich erleichtert.
Aus
fast unerklärlichen Gründen wurden die grossen Arbeiten vergessen oder in den
hintersten Schubladen verstaut. Glücklicherweise gehört heute die Zeit der
Vernachlässigung des Pferdemauls wieder der Vergangenheit an. Unzählige
Arbeiten sind in den letzten Jahren in bekannten Fachzeitschriften
veröffentlich worden. Viele Kongresse im In- und Ausland wurden veranstaltet,
auf denen die Zahnprobleme der Pferde
erörtert wurden, und auch in der täglichen Arbeit nimmt die Zahnbehandlung
wieder eine wichtige Rolle ein.
Vorbeugende Untersuchungen:
Wenn Hufpflege
und Hufbeschlag aus der Notwendigkeit entstanden, die Arbeitsfähigkeit des
Pferdes durch das Gesunderhalten der Hufe zu sichern, so ist es in Zukunft die
Aufgabe der ebenso wichtigen Zahnpflege, die Voraussetzungen zu schaffen, dass
das Pferd trotz der unvermeidbaren naturwidrigen Ernährung zu höchster
Auswertung der im Futter enthaltenen Energien befähigt wird. Es wird in Zukunft
die Aufgabe des Tierarztes sein, hier endgültigen Wandel zu schaffe,
-gegenwärtig im Heer und später in der Friedenswirtschaft (Dr. E. Becker, 1943).
Aehnlich
der planmässigen Schulzahnüberwachung sollten auch das Pferdegebiss regelmässig
kontrolliert werden, um Veränderungen an den Zähnen frühzeitig zu erfassen und
auch zu behandeln, womit dem Pferd auch einige Schmerzen erspart bleiben
könnten. Die prophylaktische Zahnkontrolle gehört,wie auch die regelmässige
Impfung und Entwurmung des Pferdes, zur Pflicht jedes Pferdehalters.
Schematische
Zeichnung eines Oberkieferbackenzahnes
Der Zahn
besteht aus vier verschiedenen Strukturen:
1. Pulpahöhle:
Die
Pulpahöhle enthält lockers Bindegewebe mit Blutgefässen und Nerven. Bei den
jungen Pferden ist die Pulpahöhle gross und wird dann mit der Alterung des
Pferdes kontinuierlich kleiner. Die Pulpahöhle wird in Richtung Kaufläche und
gegen aussen mit Ersatzdentin gefüllt.
Bei
Beendigung des Wachstums verengt sich so die Pulpahöhle auch im Wurzelbereich
(= Zähne mit eingeschnürter Pulpa), so dass Blutgefässe und Nervenfasern die
Pulpahöhle nur noch so weit versorgen, dass das Gewebe vital bleibt, aber kein
Wachstum mehr erfolgt.
2. Dentin = Zahnbein:
Das
Dentin ist von gelblicher Farbe und wird von den Odontoblasten gebildet. Dentin ist härter als Knochen und besteht
aus 70 % anorganischer und 30 % organischer Substanz. Dentin ist weicher als
Schmelz. Die Druckfestigkeit (Härte) des Dentins wird beim Menschen mit
600 N = ca. 60 kp/mm2
angegeben. Da die Odontoblasten am Rand der Pulpahöhle liegen, von dieser
ernährt werden und ihr Zellleib sich immer „unterhalb“ der von ihnen gebildeten Hartsubstanzen
befindet, kann Dentin lebenslang auch im Bereich der Krone gebildet werden.
Damit die Pulpahöhle im Bereich der Krone durch den Abrieb nicht eröffnet wird,
wird z. B. zur Kaufläche hin „Ersatzdentin“
gebildet. Das Ersatzdentin ist stets etwas anders gefärbt und erscheint meist
dunkler als das gewöhnliche Dentin. In Nähe der Odontoblasten enthält das
Dentin auch noch feine Nervenfasern und ist daher schmerzempfindlich.
3. Email = Schmelz
Der
Schmelz ist rein weiss und wird von den Adamantoblasten
(s. Enamelo- oder Ameloblasten) gebildet. Der Schmelz ist die härteste
Substanz im Körper . Seine Druckfestigkeit beträgt beim Menschen 3000 N = ca
300 kp / mm2. Der Schmelz enthält nur ca. 2 % organische
Bestandteile und besitzt keine Nervenfasern. Er liegt aussen dem Dentin auf.
Der schmelzhaltige Teil des Zahnes bildet den Zahnkörper, der schmelzfreie Teil
die Zahnwurzel. Schmelz kann nur im Bereich des Zahnfaches von den aussen an
der Zahnanlage befindlichen Enameloblasten gebildet werden. Im Bereich der Krone ist eine Schmelzbildung
nicht mehr möglich. Schmelzdefekte bleiben daher Defekte!
4. Der Zement:
Der
Zement ist gelblich. Er ist die weichste Substanz der Zähne und wird von den Zementoblasten gebildet. Der Zement ist
Knochen und zeigt mikroskopisch eine Struktur, die dem Geflechtknochen ähnlich
ist. Der Zement liegt dem Schmelz bzw. an Wurzelspitzen dem Dentin auf. Der
Zement umgibt die Wurzeln und füllt die Schmelzfalten und Schmelzeinstülpungen.
Da die Zementoblasten als Osteoblasten innen am Periodontium liegen, das sich
zwischen Zahnfach und Zahn befindet, kann
auch der Zement der die Kronen
überzieht, nicht regeneriert werden,
während innerhalb des Zahnfaches auch beim erwachsenen Pferd immer noch wenig
Zement gebildet werden kann.
II. Periodontium
Das
Periodontium stellt die Verbindung zwischen der Alveolenwand und dem Zahnzement
dar; es wird als Periodontal-Ligament oder Periosteum alveolare oder
Peridontium oder auch als
„Wurzelhaut“ bezeichnet: Es
handelt sich dabei um Bindegewebe und dessen Fasern, die als Sharpeysche Fasern
sowohl im Zahn (Zement) als auch im Knochen (Lamina dura) inserieren. Die
Zahnfasern verankern so den Zahn, so dass er durch den Kaudruck nicht tiefer in
das Zahnfach einsinkt. Zwischen den
Bindegewebsfasern hat es im Periodontium noch reichlich Bindegewebszellen,
darunter zahnnah die Zementoblasten, und
zahlreiche Blutgefässe und auch Nerven.
III. Die Alveole = Zahnfach
Die
Zähne sind in der Alveole verankert. Die dem Zahn benachbarte Knochenstruktur
wird manchmal auch als Lamina dura bezeichnet. Im Alveolarknochen sind ausser
Knochenbälkchen auch Knochenröhrchen zu sehen. Durch die Auf- und Abbauvorgänge
ist gerade auch dieser Knochen sehr
wandlungsfähig. Durch Zubildung von
Knochen im apikalen Teil des Zahnes kann der Zahn beim Hochwachsen nach aussen
geschoben werden. Beim nicht mehr
wachsenden Zahn muss der Knochen den kürzer werdenden Zahn, entsprechend dem
Abrieb, auf die richtige Höhe bringen, damit der ausserhalb des Zahnfaches
gelegene Kronenteil möglichst gleich hoch bleibt und keine Niveauunterschiede
in der Reibefläche der benachbarten Zähne entstehen.
IV. Nomenklatur der Zähne
Zahnwurzel: Der schmelzfreie Teil des Zahnes wird als Wurzel bezeichnet.
Zahnkrone: Der schmelzhaltige Teil des Zahnes ausserhalb des
Zahnfaches wird als Krone oder „eigentliche“ Krone bezeichnet. Als „Reservekrone“ wird noch der
innerhalb des Zahnfaches gelegene, schmelzhaltige Zahnteil bezeichnet. Unter dem Begriff „Zahnkörper“ versteht man
den ganzen schmelzhaltigen Teil des Zahnes.
Eigentliche Krone: Der ausserhalb des Zahnfleisches gelegene Teil der Krone.
Reservekrone: Der innerhalb des Zahnfleisches liegende Teil der
Zahnkrone.
Zahnkörper: Eigentliche Krone und Reservekrone zusammen.
Anelodonte Zähne: Das bedeutet, dass die Zähne nicht während dem gesamten
Leben wachsen (im Gegensatz zu den elodonten
Zähnen der Kaninchen). Die Wurzelöffnung wird nach Abschluss des Wachstums
kleiner und scheint dann auf der radiologischen Darstellung geschlossen zu
sein. Pferde besitzen anelodonte Zähne.
Hypsodonte Zähne: Diese Zähne haben einen langen Zahnkörper, bei dem der
Grossteil des Zahnkörpers innerhalb der Alveole ist, und nur
eine kurze Wurzel vorhanden ist. Pferde besitzen hypsodonte Zähne, wobei
die Wolfszähne eine Ausnahme bilden. Brachydonte
Zähne hingegen besitzen eine kurze Krone und eine relativ lange Wurzel.
V. Terminologie um
die Zähne
Apikal: in Richtung Zahnwurzel
Koronal: in Richtung Zahnkrone
Lingual: in Richtung Zunge (v.a. bei UK Zähnen)
Palatal: in Richtung Gaumen (v.a. bei OK Zähnen)
Bukkal: in Richtung Backe bei Backenzähnen
Labial: in Richtung Lippen bei Schneidezähnen
Mesial: in Richtung Schneidezahn 1 (Nr. 1) = in Richtung des
medianen Scheitels des Zahnbogens.
Distal: in Richtung Backenzahn
(Nr. 11) = in Richtung kaudales Ende des Zahnbogens.
VI. Verschiedene Zahnarten
1. Inzisivi
Es gibt
drei Milchschneidezähne und drei bleibende Schneidezähne. Die
Milchschneidezähne weisen eine deutliche Einziehung unter der Krone auf, die
als „Zahnhals“ bezeichnet werden kann. Zudem haben die Milchzähne immer eine
ausgesprochene längliche Kaufläche, und eine Kunde von geringer Tiefe, die im
Unterkiefer nur 3-4 mm beträgt. Wegen ihres oft geringen Zementüberzugs sind
die Milchzähne heller und weisser als die bleibenden Inzisivi, die lingual von
den Milchschneidezähnen erscheinen.
Kunde =
Schmelzbecher = Infundibulum: Die Kunden stellen Einstülpungen des Schmelzes
dar, die mit Zement gefüllt sind. Zusammen mit Futterablagerungen entsteht die
schwarze Farbe dieser Kunden, deren Innenfläche von Schmelz bedeckt ist. Am Boden der Kunden = Kundenspur ist der
ganze Innenraum der Kunde von Zement ausgefüllt.
Die Inzisivi von ca. 5-7 Jahre alten Pferden sind ungefähr 7 cm lang.
Die
Funktion der Schneidezähne besteht im Fassen und Abschneiden des Futters.
2. Canini
Es gibt
Milchcanini und bleibende Canini.
Die
Milchcanini kommen bei Hengsten, Wallachen sowie auch den Stuten vor, doch
brechen sie in der Regel nicht durch. Sie sind selten länger als 2 cm und sind
meistens sehr nahe bei den Schneidezähnen gelegen. Die bleibenden Canini
brechen in der Regel nur bei den männlichen Pferden mit ca. 4-5 Jahren durch. Die bleibenden Canini des Oberkiefers sind
häufig am Uebergang des Os maxillare zum Os incisivum gelegen, während die
Canini des Unterkiefers näher bei den Inzisivi gelegen sind. Sie liegen damit
weiter rostral als die Oberkiefercanini. Sie kommen auch einige Monate vor den
Oberkiefercanini durch die Schleimhaut. Ihre Länge beträgt ca. 4-6 cm und sie
sind sehr stark gekrümmt. Ca. ein Viertel aller Stuten haben einen oder mehre
Canini, die als kleine Kegel durch das Zahnfleissch durchbrechen können.
Die Canini,
werden auch „Hakenzähne“ oder „Hengstzähne“ genannt. Sie werden vor allem für
die Abwehr gebraucht, denn infolge der fehlenden Okklusion können sie kaum der Futteraufnahme dienen. Die fehlende
Okklusion ist wahrscheinlich auch der Grund für den häufigen Zahnstein an den
Canini.
3. Prämolaren und Molaren
Die
Backenzähne werden für die Zerkleinerung des Futters benötigt. Dadurch entsteht
eine durchschnittliche Faserlänge von ca.
4-10 mm. Die Backenzähne sind nach rostral gerichtet, wenn man von der Wurzel
in Richtung Krone geht. Bei Pferden, die älter als acht Jahre sind, ist die
Krümmung weniger stark ausgeprägt. Allgemein ist die Längsachse der rostralen
Backenzähne weniger stark geneigt als diejenige der kaudalen Backenzähne.
Der
Schmelzrand der Infundibula der Oberkieferbackenzähne ist innen immer von
Zement überzogen. Wenn dieser Zement fehlt, kann Futter dort liegen bleiben und
zu weiteren Zahnveränderungen führen. Die Abnützung der Backenzähne beträgt ca.
2-3 mm pro Jahr. Die Ober- und Unterkieferbackenzähne berühren sich in
Ruhestellung nicht vollständig, so dass man von einem anisognathen Gebiss
sprechen muss. Der Oberkiefer ist deutlich breiter als der Unterkiefer, so dass
bei geschlossenem Maul nur ca. 1/3 der Oberkieferbackenzahnfläche die Hälfte
der Unterkieferbackenzahnfläche berührt. Der Winkel der Kauflächen ist auch
nicht horizontal sondern beträgt ca. 10-15 Grad.
Wolfszähne (= P1)
Die Wolfszähne kommen in unterschiedlicher Häufigkeit vor.
Im Oberkiefer sind sie im allgemeinen häufiger als im Unterkiefer, wo diese
manchmal auch als Schweinszähne bezeichnet werden. Die Wolfszähne erreichen in
der Regel eine Grösse von 1-2 cm. Grosse Wolfszähne können auch
Schmelzeinstülpungen besitzen. Die Wolfszähne brechen in der Regel zwischen 6
und 18 Monaten durch die Schleimhaut. Ca. 50 % aller Pferde haben Wolfszähne,
wobei die Zahl selber variiert. Sie können einzeln oder doppelt, direkt rostral
vom P 2 oder etwas abgesetzt davon im Diastema vorkommen. Sie können auch unter
der Schleimhaut versteckt bleiben, so dass man dann von blinden Wolfszähnen
spricht.
Oberkieferbackenzähne
Die Oberkieferbackenzähne besitzen 2 Vertiefungen, Schmelzbecher = Infundibula. Diese Schmelzbecher gehen von der
Kaufläche in die Tiefe und erstrecken sich über den ganzen Zahnkörper. Diese
Infundibula sind mit Zement und Futterablagerungen gefüllt, wodurch sie eine
schwarze Farbe aufweisen.
Die
Oberkieferbackenzähne besitzen 3 Wurzeln, zwei lateral und eine medial sowie
fünf Pulpahöhlen. Fakultativ können sie auch 4 Wurzeln aufweisen.
Die bukkale Fläche besitzt 2 Längsfurchen, die durch eine
vertikalverlaufende Kante getrennt werden und die linguale Fläche 2
Längsrinnen, die durch einen breiten vertikalverlaufenden Wulst getrennt
werden.
Unterkieferbackenzähne
Die
Unterkieferbackenzähne besitzen 2 seitliche Vertiefungen = Schmelzfalten =
Plica enameli, die aber im Gegensatz zu den Oberkieferbackenzähne nicht
geschlossen sind. Daher findet man an
den Backenzähnen des Unterkiefers
nur Schmelzfalten. Die Unterkieferbackenzähne haben 2 grosse Wurzeln, wobei
M 3 meistens 3 Wurzeln aufweist. Sie besitzen 2 grosse Pulpahöhlen mit je
2-3 Unterteilungen
Bukkale
Fläche: 1 Längsfurche
Linguale
Fläche: 1-2 Längsfurchen und sehr tiefgehende, „gestielte“ Schmelzfalte.
VII. Zahnwachstum und Zahnwechsel
Im Laufe des Wachstums wandern
die Zähne nach rostral, was vor allem bei den verschiedenen Operationen
beachtet werden muss.
Beachte im allgemeinen die
individuellen und rassenspezifischen Besonderheiten. Zudem fehlen uns vielfach
noch genaue Angaben über das Wachstum, den Zahnwechsel und den Ausfall der
einzelnen Zähne.
Unterscheide zwischen
A. Erscheinen = Durchbruch im Bereich des Zahnfleisches
B. In Reibung mit dem Antagonisten
C. Ausfall
1. Incisivi: A B
Milchzahn 1 6 Tage
2 6 Wochen
3 6 Monate
Bleibender 1 2 1/2 Jahre 3
Jahre
Zahn 2 3 1/2 Jahre 4
Jahre
3 4 1/2 Jahre 5
Jahre
Ein
Längenwachstum der Schneidezähne soll bis zum Alter von 8 Jahren vorkommen.
2. Canini: A
Milchzahn brechen in der Regel nicht durch
die Schleimhaut durch
Bleibender Zahn 4-5 Jahre bei Wallachen bzw. Hengsten
3. Backenzähne allgemein:
Die
Backenzähne wachsen bis zu 7-8 (Nickel,
Schummer und Seiferle) bzw. 14 (Sisson and Grossmann) Jahren und werden
anschliessend in Richtung Kaufläche geschoben, so dass diese Zähne dann
kontinuierlich kürzer werden. Die eigentliche Krone erreicht eine Höhe von ca.
1.5 bis 2 cm.
a. Prämolaren: A B C
Milchzahn 1 fehlt in der
Regel
2 In den ersten 2
Lebenswochen
3 In den ersten 2
Lebenswochen
4 In den ersten 2 Lebenswochen
Bleibender 1 1/2 Jahr 1-2
J.
Zahn 2 2 1/2 3
3 3 3 1/2
4 3 1/2 4
b. Molaren:
1 1 Jahr 2
2 2 Jahre 3
3 3 Jahre 4
BEACHTE: Die Zähne des Unterkiefers
kommen im allgemeinen etwas früher als die Zähne des Oberkiefers, was in
manchen Fällen auch zu ungleicher Zahnabnützung führen kann. So kann der
grössere und stärkere Unterkieferbackenzahn den Oberkieferbackenzahn übermässig
abreiben, was häufig beim M3 beobachtet wird.
Während
des Zahnwechsels im Alter um 3 Jahre ist bei Kaustörungen an die
persistierenden Kappen der Milchprämolaren zu denken. Die grosse Länge der
Backenzähne lässt infolge des knappen Platzangebotes normalerweise schon Vorwölbungen des Kehlrandes = „Bumps“ am
Unterkiefer erkennen, die bei jungen Pferden im Alter zwischen 1 und ca. 5
Jahren auftreten und nur ausnahmsweise zu krankhaften Veränderungen führen.
Zahnabnützung:
Backenzähne: 2-3 mm / Jahr
Inzisivi: 2 mm / Jahr
Nach Abschluss des Wachstums
sind die Backenzähne ca. 8-9 cm und die Inzisivi ca. 5-7 cm lang, so dass diese
während 30-40 Jahren in Funktion sein sollten. Danach ist das Lebensende des
Tieres auch durch das Aufgebrauchtsein der Zähne gegeben.
VIII.
Das Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis
Das
Kiefergelenk besteht aus dem Processus condylaris des Unterkiefers und der
entsprechenden Vertiefung des Jochbogens. Zwischen die inkongruenten
Gelenkflächen ist ein Diskus aus Faserknorpel eingefügt. Zur Verhinderung von
Verschiebungen des Gelenkfortsatzes nach kaudal ist das Kiefergelenk kaudal
durch den vom Jochbogen kommenden Processus retroarticularis gestützt. Der
Bereich des Kiefergelenks ist von aussen als Verdickung am Jochbogen gut
palpierbar.
IX. Kaumuskeln
Im
Gegenesatz zu den Fleischfressern haben die Pferde eine geringe vertikale,
dafür aber eine grössere transversale Kraft.
Die drei
wichtigsten Muskeln sind der M. masseter, M. temporalis und der M. pterygoideusmedialis. Weiter sind der M.
pterygoideus lateralis, der M. occipito- mandibularis und der M. digastricus
sowie der M. sternomandibularis an der Kaufunktion beteiligt.
M. masseter:
Kommt
von Arcus zygomaticus und der Gesichtsleiste und inseriert an der Lateralfläche der Mandibula.
M. temporalis:
Kommt
vom Os temporale und inseriert am
Processus coronoideus der Mandibula.
M. pterygoideus
medialis:
Liegt
medial an der Mandibula: Kommt vom Flügelbein = Pterygoid sowie vom Sphenoid
und Os palatinum und inseriert an de Medialfläche der Mandibula.
Der M. pterygoideus lateralis kommt auch
aus der Gegend des Pterygoids , zieht gegen kaudal und setzt am Gelenkfortsatz
des Unterkiefers an. Er soll den Unterkiefer nach vorn ziehen und ist bei
einseitiger Wirkung vor allem für die Seitwärtsverschiebungen des Unterkiefers
verantwortlich.
Als Öffner der Maulspalte dienen die Mm. digastricus mit seiner kaudalen
Abspaltung, dem M. occipitomandibularis
sowie der M. sternomandibularis.
Der entscheidende Wert der neuen Behandlungsmethode beruht darauf, jedes Pferd mit der gleichen Sorgfalt zu untersuchen und zu behandeln (E. Becker, 1943)
Viele
Reihenuntersuchungen in vielen verschiedenen Ländern bestätigen die zahlreichen
Zahnerkrankungen beim Pferd. Die häufig gehörte Aussage, dass ein Pferd, das
nicht mager ist oder normal frisst, keine Zahnprobleme hat, gehört in das
Märchenbuch und hat nichts mit der Realität zu tun.
Denn nur in
wenigen Fällen äussern sich Zahnprobleme durch eine schlechte Futteraufnahme
oder durch Abmagerung, während viele unspezifische Symptome wie
Rückenverspannungen oder Kopfschütteln Ausdruck von Zahnproblemen sein können.
Zahnveränderungen werden nicht durch ein oberflächliches Anschauen der vorderen
Zähne durch ein Umstülpen der Ober- und Unterlippe erkannt, sondern benötigen
eine sorgfältige Untersuchung. Neben der speziellen Untersuchung der
zahnassoziierten Strukturen müssen auch andere Organsysteme wir Herz, Kreislauf
und Atemwege beachtet werden.
Ahnlich wie die
regelmässige Wurm- und Impfprophylaxe muss auch die Maulhöhle und im besonderen
die Zähne des Pferdes in regelmässigen Abständen (mindestens einmal jährlich)
kontrolliert werden. Nur der schlechte Pferdehalter und der noch schlechtere
Tierarzt warten, bis Zahnveränderungen so gravierend sind, dass das Pferd nicht
mehr frisst oder sich immer gegen die Trense wehrt. Zahnkorrekturen sind dann
nur noch mit grossem Aufwand möglich.
Schon im
Fohlenalter muss auf eine korrekte Zahnstellung geachtet werden. Im Abstand von
6 Monaten werden die Prämolaren auf Zahnspitzen kontrolliert.
In dieser Zeit
werden 24 (!) Milchzähne verloren, und 36-44 bleibende Zähne kommen in die
Maulhöhle. In dieser Zeit können persistierende Milchzähne, Eruptions cysts
(aseptische Zahnfachentzündungen und Aufweitung des Zahnfaches im Bereich der
Zahnwurzel) und asymmetrische Kauflächen infolge asynchronen Zahnwechsel grosse
Probleme darstellen. Wolfszähne wie auch Zahnspitzen können zu
Schleimhautverletzungen und –ulzerationen führen. In dieser schwierigen Zeit
sollte die Maulhöhle alle 6 Monate untersucht werden. Interessanterweise werden
gerade diese jungen Pferde nur selten dem Tierarzt vorgestellt, weil „ja junge
Pferde angeblich nie Zahnprobleme haben“: ein weiterer unsinniger Spruch, der
viel gehört wird und ebenfalls im Märchbuch Platz finden sollte. Man muss die
jungen Pferde mit Kindern vergleichen, bei denen es ja zum Selbstverständlichen
gehört, dass sie regelmässig auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen müssen. Diesen
jungen Pferden kann nämlich durch eine sorgfältige Zahnkontrolle und –korrektur
das Leben verschönert werden. Und in vielen Fällen hilft sie für das Reiten
deutlich mehr als unnötige Hilfszügel und andere Zwangsmassnahmen.
In dieser Zeit
können Zahnunregelmässigkeiten gut korrigiert werden, weil es sich selten um
massive Veränderungen handelt. Häufig sind Zahnspitzen, -haken und leichte
Unebenheiten wie Treppen und Wellen. Zahnkontrollen sollten in diesem Alter
jährlich erfolgen.
In diesem
Lebensabschnitt spielen Zahnunregelmässigkeiten eine wichtige Rolle. Auch
werden vor allem die Molaren in dieser Zeit etwas weicher und können vermehrt
eine Infundibularnekrose zeigen. Ein besonderes Problem stellt das Wellengebiss
dar, das sich in dieser Zeit entwickeln kann. Auch übermässig lange
Schneidezähne können ein Problem sein und müssen dann entsprechend korrigiert
werden.
Kleine
Unregelmässigkeiten verstärken sich und können im Alter ein grosses Ausmass
annehmen. Auch sind beim alten Pferde peridontale Probleme, wie Gingivitis und
ähnliches, recht häufig. Alte Zähne haben keinen Schmelz mehr und ihre
Oberfläche ist glatt. Diese Zähne sind sehr weich und können rasch Probleme
entwickeln, so dass auch hier eine regelmässige Untersuchung und Behandlung
erforderlich wird.
Es muss eine
vollständige Anamnese erhoben werden, entsprechend anderen Krankheiten.
Besonderes Augenmerk sollte folgenden Fragen geschenkt werden:
Alter: Das Alter spielt bei Zahnerkrankungen eine grosse Rolle.
Denken wir an die altersspezifischen Probleme, wie sie zum Beispiel beim
Zahnwechsel der jungen Pferde auftreten (Kappenzähne), oder an die speziellen
Zahnprobleme der älteren Pferde.
Rasse: Bei Pferderassen mit kleinen Köpfen kommen Zahnprobleme
wahrscheinlich vermehrt vor, weil die Grösse der Zähne häufig nicht der Grösse
des Pferdekopfes entspricht. Kleine Pferde haben im Verhältnis zur Körpergrösse
grössere Zähne als grosse Pferderassen. Dadurch können sich bestimmte
Zahnerkrankungen wie Eruption cysts und andere Probleme häufiger entwickeln.
Beispiel: Der
Haflinger wurde durch die Einkreuzung mit Araberrassen veredelt. Unter anderem
ist nun der Kopf kleiner und feiner, die Zahngrösse wurde jedoch nicht
wesentlich verändert.
Wann wurde die letzte Zahnkontrolle und
Zahnkorrektur durchgeführt
Zeichnung eines Pferdes mit
einseitigem Nasenausfluss; dies kann ein wichtiges Symptom einer
Zahnerkrankung sein.
-Reduzierter Allgemeinzustand:
Abmagerung, mattes Fell
-Probleme bei
der Futteraufnahme: verminderte Fresslust, verlangsamte Futteraufnahme,
vorsichtiges und unvollständiges Kauen, Fallenlassen von Futterbissen,
vermehrtes Speicheln
-Grobfasriger
Kot: Viele Futterbestandteile mit einer Länge von über 1.5 cm im Kot
-Rezidivierende
Koliken, Headshaking
-Stinkender
Maulgeruch, einseitiger Nasenausfluss, Auftreibungen am Kopf, Fisteln
-Verspannungen,
Verkanten, Trensenprobleme, Lahmheiten, Steigen und andere Probleme
a. Halfter:
Das normale
Halfter ist in der Regel zu klein, so dass ein besonderes Halfter, bei dem das
Nasenband variabel eingestellt werden kann, verwendet werden sollte.
b. Metallrahmen:
Mit Hilfe eines
Metallrahmens, der ungefähr auf Höhe der Backenzähne am Kopf fixiert wird, kann
der Kopf des Pferdes aufgehängt werden, ohne dass starker Druck auf die Backen
ensteht. So kann die Arbeit an den Zähnen erleichtert werden.
c.
Maulkeile und Maulgatter:
Beachte:
Zweihandtechnik,
Zungentechnik: Die Zunge kann mit einer Hand, die durch das Diastema eingeht,
gefasst werden. Anschliessend wird die Zunge zusammen mit der zu einer Faust
geschlossenen Hand in der Maulhöhle aufgestellt. Fakultativ kann die Zunge auch
zwischen den Backenzähnen nach aussen gezogen werden. Auf diese Art kann eine
oberflächliche rasche Untersuchung der Maulhöhle durchgeführt werden, ohne dass
aber eine detaillierte Untersuchung möglich ist.
Die manuelle
Untersuchung der hinteren Molaren sollte nie
ohne Sicherheitsvorkehrung (Maulkeil oder Maulgatter) durchgeführt werden. Das
Risiko von schweren Fingerverletzungen ist viel zu gross und nicht zu
verantworten
Die Maulkeile
werden einseitig zwischen die oberen und unteren Backenzähne geschoben, so dass
das Maul geöffnet bleibt. Der Maulkeil muss von einer Hilfsperson sicher
fixiert werden. Der Vorteil dieser Maulkeile besteht darin, dass sie relativ
billig und leicht sind. Weiter erlauben sie eine Untersuchung der
Schneidezähne.
Die metallenen Maulkeile
(“Tauchsieder”), sind für eine Untersuchung und Behandlung der Zähne ungeeignet. Die metallenen
Maulkeile können unter Umständen Zahnfrakturen verursachen, so dass sie
nicht angewendet werden dürfen (Kunsftfehler !!).
Es gibt zahlreiche Maulkeile aus
verschiedenen Materialien und in unterschiedlicher Form. Alle besitzen jedoch
den Nachteil, dass die Maulhöhle des Pferdes nur einseitig geöffnet wird, was
zu starken Spannungen im Bereich des Kiefergelenkes führt. Die Pferde beissen
immer auf diesen Keilen herum, was die Untersuchung wie auch die Behandlung
stört. Ausserdem gewähren sie keine absolute Sicherheit für die zwischen den
Backenzähnen untersuchenden Finger. Bei den eisernen Maulkeilen besteht das
Risiko, dass durch das Beissen auf dem Maulkeil Zahnfrakturen verursacht
werden. Die Maulkeile können auch den harten Gaumen und in seltenen Fällen,
falls sie abrutschen auch die A. palatina verletzen.
Für bestimmte Behandlungen an den
Schneidezähnen ist es von Vorteil, wenn zwei Maulkeile in die Maulhöhle
geschoben und hinter dem Kopf fixiert werden.
Absolut verboten sind die
tauchsiederähnlichen metallenen Maulkeile, weil mit ihnen das Risiko von
Zahnfrakturen sehr gross ist. Dieser „französische Maulöffner“ wurde aus einem
einzigen fortlaufenden Rundstahl hergestellt. Bereits 1943 wurde erkannt, dass
dieser Maulkeil zu vielen Problemen führen kann und Verbesserungen wurden
angebracht und auch publiziert (Dr. Schneider, Sat, 1943). Verletzungen an
Zähnen und Gaumen sowie andere Risiken wurden erkannt und eine verbessertes
„schweizer Modell“ vorgestellt. Dieser besteht aber immer noch aus einem runden
Stahl, der den heutigen Anforderungen in keiner Weise entspricht.
Besser geeignet sind die keilförmigen
Maulkeile aus Hartplastik; sie sind einerseits nicht zu hart und andererseits
werden mehrere Zähne gleichzeitig belastet.
Verschiedene
Modelle:
Maulkeil nach Bayer: Die scharfen Kanten
können zu Verletzungen am harten Gaumen führen
Maulkeil nach Schoupé:
ACHTUNG:
Dieser metallene Maulkeil darf beim Pferd nicht eingesetzt werden! Zahnfrakturen
können durch diesen Maulkeil verursacht werden (Kunstfehler!).
Maulkeil nach Jeffrey:
Zweckmässiger Maulkeil für bestimmte Untersuchungen in
der Maulhöhle. Man muss jedoch beachten, dass auch hier scharfe Kanten
entstehen, die die Maulschleimhaut verletzen können.
d. Maulgatter:
Zeichnung eines Maulgatters, wie es beim Pferd
angewendet wird; auf diese Weise kann die Maulhöhle des Pferdes sicher und
unfassend untersucht werden.
Die Ober- und Unterkieferschneidezähne
liegen in den horizontalen Metallbacken des Maulgatters, so dass das Maul
gleichmässig geöffnet werden kann. Eine feine Abstufung erlaubt eine
unterschiedlich weite Oeffnung der Maulhöhle und mit Hilfe eines Lederbandes
kann das Maulgatter sicher am Kopf fixiert werden. So wird eine gute und für
das Pferd wie auch für den Tierarzt sichere Untersuchung und Behandlung von
Zahnproblemen ermöglicht. Das Maulgatter ist wesentlich grösser als ein
Maulkeil, auch wesentlich schwerer und teurer. Die Maulhöhle sollte nicht
länger als während 30 Minuten zur Untersuchung und Behandlung geöffnet bleiben.
Dann muss das Maulgatter wieder geschlossen werden. Beim Vorliegen von scharfen
Kanten, vor allem am Oberkiefer, ist es wichtig, dass diese bei halb geöffnetem
Maul zuerst zurückgeraspelt werden, bevor das Maulgatter weiter geöffnet wird.
Dadurch kann verhindert werden, dass die scharfen Kanten die Maulschleimhaut
verletzen, wenn das Maul stark geöffnet ist und die Backenschleimhaut nach
innen gezogen wird.
Die Untersuchung der Maulhöhle des Pferdes sollte
immer mit Hilfe eines Maulgatters erfolgen. Damit ist eine sorgfältige und
auch sichere Untersuchung möglich.
Bei Pferden mit starken Veränderungen an
den Schneidezähnen (und auch bei Kühen) können Gaumenplatten eingesetzt werden,
um die Maulhöhle zu öffnen.
Verschiedene Modelle:
McPherson Maulgatter
Hausmann Maulgatter
Maulgatter nach Günther-Hepke:
Dieses Maulgatter nach Günther-Hepke darf nur am
anästhesierten Pferd eingesetzt werden, weil es nicht sicher am Kopf
fixiert werden kann. Bei Abwehrbewegungen am stehenden Pferd kann es zu
schweren Verletzungen der umstehenden Personen kommen.
Vor allem für die Untersuchung der
hinteren Zähne ist eine gute Lichtquelle erforderlich. Ideal ist natürlich eine
Kaltlichtquelle, die am Kopf fixiert werden kann oder eine gute Stirnlampe.
Untersuchung
der Maulhöhle eines Ponys mithilfe eines Maulgatters und einer
Kaltlichtquelle, die am Kopf fixiert werden kann.
f. Verschiedene Instrumente:
-Backenretraktoren
-Untersuchungssonden:
Zahnspalten und Karieslöcher können damit gut untersucht werden.
-Wasserkübel mit
Desinfektionsmittel
-Grosse Spritze
-Reinigungsmittel
für die Instrumente nach dem Gebrauch
Allgemeinzustand des Pferdes beurteilen:
Konditions-, Ernährungs-, und Pflegezustand, Verhalten
Körpertemperatur,
Herz- und Kreislaufzustand
Auftreibungen im
Bereich der Zahnregion wie Eruptions cysts oder andere Konturstörungen
Auftreibungen am Kopf auf Schmerzhaftigkeit testen (Eruption Zysts kommen
zwischen 2 1/2 und 4 Jahren vor)
Nasen-
und/oder Augenausfluss
Atrophie
im Bereich des M. masseter und des M. temporalis beurteilen
-Maul- und
Nasengeruch erfassen
-Mandibularlymphknoten:
Grösse, Schmerzhaftigkeit, Wärme, Verschieblichkeit
-Seitwärtsbeweglichkeit
des Unterkiefers testen:
Geräusch
beurteilen bei den „künstlichen Mahlbewegungen“: normal sind feine Vibrationen.
Weiter muss
beurteilt werden, wie gross die Seitwärtsverschiebung des Unterkiefers möglich
ist, bis sich die Unter- und Oberkieferschneidezähne trennen bzw bis zur
maxialen Exkursion. 1939 wurde dazu ein Kauzeichner, ein sogenannter Molograph
in der Tierärztlichen Rundschau vorgestellt. Dabei wird eine Zeichenvorrichtung
am Kopf angebracht, welche es ermöglicht, die Kieferbewegungen beim Verzehren
von Futter auf eine Zeichenebene zu projizieren.
-Bukkale Fläche
der Oberkieferbackenzähne von aussen palpieren
-Perkussion der
Nasennebenhöhlen
-Temporomandibulargelenk
beurteilen
Schneidezähne: Okklusion, Verletzungen,
Zahnalter schätzen
Kanini: sind
häufig sehr scharf und bei älteren Pferden kann sich Zahnstein um die Kanini
ansammeln.
Diastema: muss
glatt und unauffällig sein. Genaue Kontrolle, ob Wolfszähne vorkommen.
Vordere
Prämolare: können gut beurteilt werden; Kontaktfläche untereinander, Spitzen,…
Detomidinhydrochlorid
(Domosedan®: 10 mg/ml):
Ist für die Untersuchung und Behandlung von Zahnproblemen bei Pferden das
Sedativum der Wahl. Durch die tiefe und langandauernde Sedation können auch
grössere und längere Zahnsanierungen durchgeführt werden.
Dosierung: Ca. 0.6 ml Domosedan /
Warmblutpferd intravenös (= 0.01 mg/kg)
Je nach Alter, Charakter und Verhalten
soll die Dosierung erhöht oder reduziert werden.
Doping: Ca.
4 Tage positiv
Tragende Stuten: Aufgrund von neueren
Untersuchungen ist das Risiko für das Fohlen zu vernachlässigen und ein Abort
sehr unwahrscheinlich.
Alternativen: Xylazin, Romifidin
Evt. Kombination mit einem Morphinderivat
wie Butorphanoltartrat oder L-Polamivet.
Die Pferde sollen
rückwärts in eine Ecke gestellt und dort untersucht werden. Bei den meisten
Pferden ist eine Sedation für eine ausführliche Untersuchung erforderlich.
Zudem ist für eine gründliche Beurteilung der Maulhöhle ein Maulgatter
unerlässlich. Futterreste sollten vor der Untersuchung mit einer grossen
Spritze ausgespült werden, um auch kleine Veränderungen erkennen zu können.
Beurteilung:
Zuerst wird die
Maulhöhle von Auge gut kontrolliert Die Zähne müssen auf der bukkalen,
okklusalen und lingualen Fläche genau visualisiert und anschliessend palpiert
werden. Auch muss die Festigkeit jedes einzelnen Zahnes bestimmt werden. Kleine
Frakturen und auch lockere Zähne können so erfasst werden. Zum Schluss wird mit
dem besonderen für Pferde entwickelten Beinschen Hebel die Kaufläche beurteilt.
Damit können Infundibularnekrosen, ein häufiges Problem bei älteren Pferden,
und ähnliches erkannt werden.
Folgenden
Punkten sollte bei der Zahnuntersuchung grosses Augenmerk geschenkt werden:
Beinscher Hebel (dental
pick), der bei der Zahnuntersuchung sehr hilfreich sein kann.
Zunge, harter
Gaumen: Verletzungen
Grösse der
Zähne: symmetrisch auf beiden Seiten
Okklusion
Milchzähne,
Kappen
Eingekeilte
Zähne
Zahnfrakturen,
Fragmente
Zahnspitzen,
Zahnhaken
Winkel der
Backenzähne, Scherengebiss, Wellengebiss
Verletzungen des
Zahnfleisches
Die Untersuchungsbefunde müssen unbedingt
protokolliert werden. Dazu wird das übliche Formular mit der bekannten
Nomenklatur verwendet:
Die erste Zahl gibt die Lokalisation im
Ober- oder Unterkiefer, links oder rechts an: es beginnt oben rechts, dann oben
links, dann unten links und zum Schluss unten rechts; für die bleibenden Zähne
werden die Zahlen 1-4 und für die Milchzähen die Zahlen 5-8 verwendet.
Die zweite Zahl entspricht der
Nummerierung von den Schneidezähne zu den Backenzähnen: Schneidezähne 1-3,
Kaninus 4, Prämolare 5-8, Molare 9-11.
Weiter sind die Lagebezeichnungen am Zahn
sehr wichtig:
Apikal, Koronal
und Okklusal
Bukkal,
Labial und Lingual
Für die
Beurteilung der Zahnwurzeln ist die radiologische Untersuchung eine
unerlässliche Hilfe. Bereits 1952 wurde die intraorale Radiologie der
Pferdezähne von Gligorijevic beschrieben. Durch eine Anästhesie der Kaumuskeln
wurde es möglich wurde die Kautätigkeit reduziert, so dass auch die Backenzähen
dargestellt werden konnte.
Mit
dem Endoskop können auch die hinteren Zähne genau beurteilt werden.
Eine
aufwändige (Allgemeinanästhesie erforderlich) und teure (ca. 1000 Franken)
Untersuchung, die jedoch äusserst wertvolle Informationen liefern kann. In
vielen Fällen erlaubt erst die computertomographische Untersuchung eine klare
Diagnose von Zahnveränderungen, so dass diese Untersuchung immer häufiger
angewendet wird.
Die
Nasennebenhöhlen können endoskopisch untersucht, beurteilt und unter Umständen
auch behandelt werden.
Bestimmte
Zahnerkrankungen können szintigraphisch erfasst werden. Aufgrund von neueren
Untersuchungen ist die Sensibilität dieser Untersuchung für Zahnprobleme sehr
hoch.
4. Zahnerkrankungen
Ueberbiss = Parroth mouth
Hechtgebiss
Zahnüberzahl
Zahnunterzahl
Pferde mit starker Kieferfehlstellung müssen aus der Zucht ausgeschlossen werden.
Diese Gebissfehlstellung kommt bei den Pferden relativ häufig vor. Es handelt sich dabei meistens um eine Verkürzung des Unterkiefers (Brachygnatismus inferior) und nur selten um eine Verlängerung des Oberkiefers (Prognathismus superior)
Es handelt sich um eine kongenitale Unterentwicklung, die wahrscheinlich autosomal rezessiv vererbt wird. In gewissen Familien kann eine Häufung beobachtet werden.
In der Regel zeigen die Pferde keine grossen Störungen.
Fehlerhafte Abnützung der Schneide- wie auch der Backenzähne können die Folge sein. Daher sind Hakenbildung an den 106, 206 sowie an den 311 und 411 keine Seltenheit und fast die Regel. Weiter kann es so zu Schleimhauterrosionen und -infektionen kommen.
Uebermässig lange Zähne müssen regelmässig gekürzt werden; damit muss schon im Fohlenalter begonnen werden, damit es nicht noch zu einer weiteren Verschlechterung der Fehlstellung kommt. Schneide- und Backenzähne sollten im Abstand von 6 Monaten korrigiert werden.
Wachstumsverzögerung mittels Drahtcerclagen im Oberkiefer: Zwischen den Inzisivi und den maxillaren Zähnen wird eine Drahtcerclage eingelegt. Mässige Erfolge
Verlängerungsosteotomie des Unterkiefer: Der Unterkiefer wird im Bereich des Diastema versägt und anschliessend mit einem Fixateur externe nach rostral gezogen und fixiert. Aufwendig und grosse Risiken
Diese Gebissfehlstellung kommt bei den Pferden relativ selten vor. Bei gewissen Ponyrassen hingegen kann eine Häufung beobachtet werden.
Es handelt sich um eine kongenitale Unterentwicklung des Oberkiefer, die wahrscheinlich autosomal rezessiv vererbt wird. In gewissen Ponyfamilien tritt diese Missbildung häufig auf. Es handelt sich dabei meistens um einen Brachygnathismus superior
In der Regel zeigen die Pferde keine grossen Störungen.
Konservative Therapie notwendig
Neben dem dritten Schneidezahn kann noch ein vierter Schneidezahn vorkommen, Wenn diesem der Antagonist fehlt, muss er regelmässig korrigiert oder dann entfernt werden.
Selten kann ein zusätzlicher Backenzahn rostral vom zweiten Prämolaren und kaudal vom letzten Molaren auftreten. Wenn dieser Ursache für Malokklusionen und Verletzungen ist, muss er extrahiert werden.
Die Oligodontie steht eine seltene Zahnerkrankung beim Pferd dar
Während der Embryonalentwicklung hat eine Verlagerung von Zahnanlagen stattgefunden, so dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Zahnbildung mehr oder weniger weit entfernt von der normalen Zahnreihe stattfindet.
Beim Pferd sind diese ektopischen Zähne häufig im äusseren Gehörgang lokalisiert. Der Zahn befindet sich in einer Schleimhauttasche, die mit der Körpferoberfläche durch eine Fistel in Verbindung steht. In dieser Schleimhauttasche kann sich ein einzelner oder mehrere Zähne befinden. Neben dem Gehörgang können diese Zähne auch in der Nasennebenhöhle oder an anderen Regionen des Kopfes auftreten.
Der ektopische Zahn und die Umgebung sollten chirurgisch entfernt werden.
Es können angeborene Grössenanomalien der Zähne vorkommen; sehr kleine oder auch sehr grosse Zähne können die Kaubewegungen stören und müssen entsprechend behandelt werden.
Eruption Cyst
Zahnverlagerungen
Diastema der Backenzähne
Unter den Eruption Cysts verstehen wir eine Knochenauftreibung über den Wurzeln der Prämolaren. Dies kommt vor allem bei frühreifen Rassen mit kleinen Schädel wie Araber und Vollblütern im Alter zwischen 2 und 4 Jahren vor.
Die bleibenden Prämolaren können nicht in die Maulhöhle geschoben werden und üben mit ihren Wurzeln einen starken Druck auf die Alveole aus. In der Folge kommt es zu einer Druckatrophie des umgebenden Kieferknochens und einer entzündlichen Reaktion des Periosts. Dies führt zu einer Umfangsvermehrung und im schlimmsten Fall zu einer Fistelbildung.
In der Regel zeigen die Pferde keine grossen Störungen.
Evt. Kaustörungen, Kopfschütteln;
Die Milchzähne sollten so früh wie möglich entfernt werden; der gegenüberliegende Zahn kann etwas gekürzt werden, damit das Vorschieben in die Maulhöhle nicht gestört wird. Falls sich eine Fistel gebildet hat, muss der Zahn in der Regel entfernt werden.
Einzelne Zähne können um ihre Längsachse oder um ihre Querachse verdreht sein. Diese Zähne werden beim Kauen unphysiologisch belastet, wodurch in fast allen Fällen die Alveole und das Periodontium sekundär schmerzhaft erkranken. Ausserdem wird der Antagonist mangelhaft abgenützt. Die häufigste Anomalie ist eine buccolinguale oder buccopalatale Verlagerung des Zahnes. Ein oder mehrere Zähne können betroffen sein. Häufig sind die Veränderungen auch symmetrisch.
Es kann sich um eine angeborene oder erworbene Fehlstellung handeln.
Verletzung der Zunge oder Backe
Futterbissen werden aus dem Maul gelassen
Probleme beim Reiten
Leichtgradig verlagerte Zähne können konservativ behandelt werden: Korrektur des verlagerten Zahnes und seines Antagonisten
Fortgeschrittene Fällen sollen durch Extraktion des verlagerten Zahnes behandelt werden.
gut
Unter einem Diastema der Backenzähne versteht man einen Spalt zwischen den Backenzähne, die sonst eng anliegen. In diesem Diastema kann Futter liegen bleiben, das sekundär zu Periodontalproblemen führen kann. Eitrige Alveolarperiostitiden und auch eitrige Sinusitiden können daraus resultieren.
Am häufigsten sind die hinteren Backenzähne betroffen.
Neben der klinischen Untersuchung sind Röntgenbilder im schrägen Strahlengang und bei geöffnetem Maul notwendig. Diese Zahnveränderung wird häufig übersehen.
Der Backenzahn verjüngt sich in Richtung Wurzel, so dass bei älteren Pferden kleine Spälte zwischen den Backenzähnen entstehen können.
Starke Schmerzen
Nasenausfluss, Futterbissen in der Boxe, Fisteln
In den meisten Fällen müssen einzelne Zähne entfernt werden, weil diese bereits sekundär verändert sind.
Vorsichtig
Die Behandlung dieses Problemes ist sehr schwierig und häufig auch unmöglich.
Zahnspitzen
Zahnhaken
Meisselzahn
Wellen- und Treppengebiss
Scherengebiss
Kreuzgebiss
Glattes Gebiss
Die Zahnspitzen zählen zu den häufigsten Zahnproblemen bei den Pferden. Die Zahnspitzen kommen an den Oberkieferbackenzähnen auf der bukkalen und an den Unterkieferbackenzähne an der lingualen Seite vor.
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Schema von Zahnspitzen |
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Die Umstellung der Ernährung von natürlichem Rauhfutter auf Kraftfutter hat eine reduzierte Kautätigkeit zur Folge. Einerseits weniger Kauschläge und andererseits kleinere Exkursionen führen zu einer reduzierten Abnützung der Zähne, was sich beim breiteren Oberkiefer auf der Aussenseite und beim schmalen Unterkiefer auf die Innenseite auswirkt.
Scharfe Spitzen führen zu Schleimhautverletzungen an der Backen- und Zungenschleimhaut. Entzündungen und Infektionen wie selbst Zungenabszesse können die Folge sein. Dadurch nimmt die Kautätigkeit noch weiter ab, wodurch das Futter ungenügend zerkleinert wird, was wiederum zu Koliken und Abmagerung führen kann.
Schlechtes Fressen, Abmagerung, Koliken, stumpfes Haarkleid, Problem mit der Trense können daraus resultieren.
Zahnspitzen abraspeln
Unter den Zahnhaken versteht man eine ungenügende Abnützung der ersten oder letzten Backenzähne. Am häufigsten sind 106, 206, 311 und 411 betroffen.
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Schädel von einem Pferd mit massiven Zahnhaken, wie man es leider häufig antrifft. |
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Bei Fehlstellungen wie Uebebiss werden die ersten bzw. letzten Zähne ungenügend abgenützt. Dadurch können Zahnhaken enstehen, die rasch grösser und auch spitzer werden können.
Eine schlechte Zahnpflege, bei der die letzten Zähne mit der Raspel nicht erreicht werden, kann zu Zahnhaken an den letzten Molaren führen.
Zahnhaken abraspeln
gut
Unter dem Meisselzahn versteht man einen einzelnen Zahn, der stark über die anderen Zähne vorsteht.
Fehlen des Antagonisten infolge Trauma, Extraktion, Missbildung
Uebliche Symptome
Abschleifen, vielleicht in mehreren Etappen, damit nicht die Pulpahöhle eröffnet wird.
Höhenunterschiede der Zähne mit Erhöhungen und Vertiefungen und auf der anderen Seite die entsprechenden Veränderungen
Unregelmässigkeiten im Durchbruch der Zähne oder des Zahnwechsels
Unterschiede in der Festigkeit des Zahnes
Unregelmässiger Abnützungsgrad einzelner Zähne
Gestörte Kautätigkeit, Abmagerung
Die Therapie des Wellgebisses ist sehr schwierig, zeitaufwendig und manchmal ist die Wiederherstellung eines völlig normalen Gebisses unmöglich.
Zahnvorsprünge müssen vorsichtig gekürzt werden. Auf keinen Fall dürfen alle Wellen korrigiert werden; Zuerst werden die Zahnspitzen, die auch Verletzungen verursacht haben, korrigiert. Anschliessend können einige extreme Wellen korrigiert werden.
Kommt vor allem bei älteren Pferden vor. Unter dem Scherengebiss versteht man eine übermässige Winkelung zwischen den beiden Kauflächen der Ober- und Unterkiefer. Dadurch kommt es zu einer unregelmässigen Abnützung und Bildung von sehr langen und extrem scharfen Kanten.
Kann uni- oder bilateral auftreten, nur an einzelnen Zähnen oder an der ganzen Zahnreihe.
Ein übermässiger Breitenunterschied zwischen Ober- und Unterkiefer kann zu einem Scherengebiss führen
Gestörte Kautätigkeit, Abmagerung
Alle scharfen Kanten müssen entfernt werden. Zudem sollte der Winkel korrigiert werden.
Unter dem Kreuzgebiss versteht man eine schräge Abnützung im Bereich der Schneidezähne
Schneidezähne korrigieren
Der unterste Abschnitt des Zahnkörpers hat infolge der fehlenden Schmelzeinstülpungen keine rauhe Oberfläche und erscheint daher sehr glatt.
Zu starkes Abschleifen
Das Futter kann nicht mehr zerkleinert werden
Umstellen auf Weichfutter
Ständiges Aufsetzen an harten Gegenständen kann zu einer übermässigen Abnützung der Schneidezähne an der Vorderkante führen.
Die vorderen Schneidezähne werden an der Vorderfläche durch Krippen- oder Barrenwetzen übermässig abgenützt.
Kommt relativ häufig vor. Einzelne oder mehrere Milchzähne überdauern den Durchbruch der Ersatzzähne. In der Regel sind die Milchschneidezähne bukkal der bleibenden Zähne geblieben. Sie besitzen kurze Kronen und Wurzeln und können somit ohne grossen Aufwand entfernt werden.
Die Schneidezähne können abhängig von der Rasse mit 3,4 bzw. 5 Jahren entfernt werden.
Entfernen und anschliessend evt. das Maul mit warmen Wasser während einigen Tagen spülen.
Die Milchzähne der Prämolaren können persistieren und dann zu Problemen wie Eruption cysts, Kaustörungen, stinkender Maulgeruch und Schmerzen führen. In diesen Fällen müssen diese entfernt werden. Persistierende Milchzähne werden als Kappenzähne bezeichnet und sehen wie ein Tisch mit vier Beinen aus. Kappenzähne können auch brechen, wobei bestimmte Teil in der Schleimhaut zurückbleiben und zu Entzündungen führen können.
Sie stellen ein Problem bei Pferden zwischen 2 1/2 und 5 Jahren dar.
1. Entzündung des umgebenden Knochens
2. Milchzahn lässt sich mit kleinem Kraftaufwand entfernen
Sobald der bleibende Zahn ausserhalb des Zahnfleisches ist, kann man annehmen, dass die Pulpahöhle verschlossen ist, so dass der darüberliegende Milchzahn entfernt werden kann. Wenn ein Kappenzahn fehlt, dürfen alle anderen Kappenzähne des betroffenen Zahnes entfernt werden
Inzisivi:1 ab 3 Jahren
2 ab 4 Jahren
3 ab 5 Jahren
Prämolare:2 ab 2 (3) Jahre
3 ab 3 (3.5) Jahre
4 ab 4 Jahre
Siehe auch den Abschnitt unter der Anatomie
Als Wolfszähne werden die kleinen Zähne vor dem ersten Backenzahn im Oberkiefer oder Unterkiefer (hier auch als Schweinszahn) bezeichnet. Es handelt sich dabei phylogenetisch um den ersten Prämolaren (P1oder Zahn Nr.5), der im Laufe der Entwicklung des Pferdes kleiner geworden und zum Teil auch schon vollständig verschwunden ist. Bei gewissen Pferden kann er relativ gross werden, was dann als Atavismus bezeichnet wird.
Aufgrund der Lokalisation, kaudal im Diastema, können die Wolfszähne stören, wenn die Pferde aufgetrenst werde. Der Zug an der Trense kann dann für das Pferd schmerzhaft werden, wodurch das Pferd mit verschiedenen Abwehrreaktionen reagiert. Eine davon ist das bekannte Kopfschütteln (= Headshaking).
Es sind eher kleine Wolfszähne, die stören und eher die Wolfszähne, die etwas abgesetzt vom zweiten Prämolaren (Zahn Nr 6) liegen. Auch können die sogenannten blinden Wolfszähne (noch von Schleimhaut bedeckt) mehr Schmerzen verursachen.
Die Wolfszähne sollten schon beim jungen Pferd entfernt werden (siehe unter Therapie).
Neben den vielen Störungen an der Kaufläche wie Zahnspitzen, Zahnhaken oder Wellengebisse kommen beim Pferd häufig auch Zahninfektionen vor. Weil dabei häufig das Periodontium und der angrenzende Alveolarknochen betroffen sind, spricht man von der Alveolarperiostitis. Verschiedene Primärerkrankungen wie eine Pulpitis, eine Zahnfraktur oder eine Zahnkaries können zu einer Alveolarperiostitis führen und sollen daher näher beschrieben werden.
Die Pferde werden meistens mit einer Zahnfistel, einer Knochenaufrtreibung oder bei einer Sinusbeteiligung mit einseitigem Nasenausfluss vorgestellt und in den meisten Fällen wird dann die Diagnose einer Alveolarperiostitis gestellt. In manchen Fällen kann die Primärursache wie eine Zahnfraktur oder eine Infundibularnerkose erkannt werden, in vielen Fällen aber bleibt die Ursache etwas im Dunkeln. Nicht selten muss man auch davon ausgehen, dass eine primäre, vielleicht hämatogen bedingte Pulpitis, zu dieser Erkrankungen geführt hat.
Eine Zahnfraktur wie auch eine Zementhypoplasie mit darausfolgender Kariesentwicklung können zu einer Eröffnung der Pulpahöhle führen, was in den meisten Fällen eine Pulpitis zur Folge hat. Die Pulpitis führt zur apikalen Periodontitis; daraus kann ein periapikaler Abszess, ein Granulom oder eine periodontale Zyste mit oder ohne begleitende Hyperzementose entstehen. Es kann dann weiter eine Osteomyelitis, dann eine Periostitis und schliesslich ein Sinusempyem oder eine Fistel entstehen.
Nachfolgenden sollen folgende Krankheiten näher beschrieben werden: Zahnfrakturen, Zahnkaries, Pulpitis, Alveolarperiostitis
Zeichnung einer Zahnfraktur |
Foto eine Zahnfraktur von 206 |
Man muss unterscheiden zwischen Frakturen an gesunden und krankhaft veränderten Zähnen.
Frakturen gesunder Zähne sind stets die Folge traumatischer Einwirkungen. Innere oder äussere Traumata können zu Frakturen der intakten Zähne führen. Weiter glaubt man, dass durch unsorgfältiges Raspeln, Schneiden und Meisseln sowie durch die Anwendung des “Tauchsieders” Zähne frakturieren können. Sehr häufig findet man bei der sorgfältigen Mauluntersuchung kleine Absprengfrakturen an den Zahnkronen, die bis knapp unter die Gingiva reichen. Damit kann die Pulpahöhle schon eröffnet worden sein.
Zahnfrakturen entstehen auch häufig zusammen mit Kieferfrakturen.
Pathologische Frakturen können im Zusammenhang mit Zahnkaries oder anderen krankhaften Vorgängen (Hypolasie der Zementfüllung, Hypoplasie der Schmelzeinstülpungen) im Bereich der Zähne entstehen. Dabei können Zahnfrakturen schon durch die normale Kaubelastung verursacht werden.
Kleine Absprengfrakturen lösen keine klinischen Symptome aus, können aber als Eintrittspforte für Karies dienen.
Wird durch eine Fraktur die Pulpahöhle oder das Periodontium erreicht, so ist die Folge stets eine Pulpitis oder Alveolarperiostitis.
Weiter kann bei Zahnfrakturen ein abnormes Längenwachstum des Antagonisten entstehen.
Sowohl im Unter- wie auch im Oberkiefer kommen Zahnfrakturen beim Pferd vor.
Sobald die Pulpahöhle eröffnet ist, muss der frakturierte Zahn entfernt werden. Dies ist einfach gesagt, doch im Pferdemaul ist die klare Diagnose sehr schwierig. Daher soll man immer zuerst einen konservativen Therapieversuch machen, wenn die Befunde unklar sind. Dies heisst NSAIA und Antibiotika über 10 Tage. Zudem muss das lose Fragment in allen Fällen entfernt werden.
Zahnerhaltende Therapien wie Wurzelresektionen und anschliessende Füllungen mit besonderem Zahnersatzmaterial sind wenig erfolgversprechend.
(Caries dentium, Zahnfäule)
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Foto einer Zahnlängsfraktur. Die Ursache war wahrscheinlich eine fortgeschrittene Karies, von der Kaufläche ausgehen. |
Unter der Karies versteht man die lokale, nicht entzündliche, meist von aussen nach innen fortschreitende, in der Regel chronische Zerstörung der harten Zahnsubstanzen (Zement, Schmelz, Dentin). Es handelt sich um eine Entkalkung mit dem Zerfall des entkalkten Gewebes. Die Karies beginnt mit Fermentationsprozessen von Futterbestandteilen und der Zerstörung des Zahnes durch Gärsäuren.
Es werden drei verschiedene Schweregrade unterschieden:
Grad I: Nur der Zement ist zerstört
Grad II: Zement und Schmelz sind zerstört
Grad III: Zement, Schmelz und Dentin sind zerstört
Säuren und bakterielle Gärung sind die Hauptursachen der Karies.
Bakteriologische Gärung der eingelagerten Futterpartikel in den Schmelzbechern der Oberkieferzähne oder in den Schmelzeinstülpungen der Unterkieferzähne. Säurebedingte Auflösung des darunter liegenden Zements, Schmelzes und Dentins.
Beim Erreichen des Schmelzes kommt die Karies meist zum Stehen. Die Karies kann jedoch von den Schmelzfalten oder von den Schmelzeinstülpungen aus die Pulpa erreichen. Wird trotz der Bildung von Ersatzdentin die Pulpahöhle eröffnet, kommt es zu einer Pulpitis und Alveolarperiostitis. Auch Zahnfrakturen können in der Folge entstehen.
Im Bereich der Oberkieferbackenzähne geht die Zahnkaries häufig vom Infundibulum aus, so dass diese Erkrankung häufig auch als Infundibularnekrose bezeichnet wird. In der Folge bleibt das Futter dort liegen, so dass es dann weiter zu einer Zerstörung des Dentins und dann zu einer Eröffnung der Pulpahöhle kommen kann. Bei den Zähnen des Unterkiefers kommt die Karies wesentlich seltener vor.
Der M 1 des Oberkiefers (1/9 und 2 /9) ist am häufigsten betroffen. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass dies der älteste Zahn des Gebisses ist und dieser somit auch anfälliger sein soll.
Die Karies kommt beim normalen Gebiss des Pferdes relativ selten vor. Sobald aber andere Probleme, wie Fehlstellungen, Wellengebisse,…vorliegen, nimmt die Häufigkeit von Karies zu.
Die Karies muss klar von der Zementhypoplasie unterschieden werden. Diese Zementhypoplasie wird häufig im Bereich der Backenzähne beobachtet.
In den meisten Fällen ist es infolge der Zahnkaries zu einer Eröffnung der Pulpahöhle gekommen, so dass der betroffene Zahn entfernt werden muss.
In neuerer Zeit werden immer wieder zahnerhaltende Therapien versucht. Diese Massnahmen sind jedoch nur dann erfolgreich, wenn die Pferde frühzeitig vorgestellt werden und die Veränderungen noch nicht weit fortgeschritten sind.
Die Zahnpulpa enthält für den Zahn immens wichtige Strukturen: Odontoblasten, Kollagen, Nerven, Gefässe, Fibroblasten, Histiozyten. Die Pulpahöhle verändert sich im Laufe der Entwicklung des Pferdes. Die Schneide- und Eckzähne beinhalten eine einzige Pulpahöhle, die Unterkieferbackenzähne fünf in zwei Zahnwurzeln, Oberkieferbackenzähne beinhalten auch 5 Pulpahöhlen in drei Wurzeln. Mit der Alterung des Pferdes und der Abnützung der Zähne werden die Pulpahöhlen mit Ersatzdentin gefüllt.
Beachte: Als Grundregel kann gelten, dass die Pulpahöhle bei normalen Zähnen in der Regel nicht über das Zahnfleisch kommt.
Unter der Pulpitis versteht man die Entzündung der in der Zahnhöhle liegenden Zahnpulpa. Es kann sich um eine septische oder aseptische Pulpitis handeln.
Die septische Pulpitis entsteht infolge einer Besiedlung mit Bakterien, die auf drei verschiedene Arten in die Pulpa gelangen können:
Hämatogen
Indirekt vom erkrankten Periodontium aus
Direkt durch Eröffnung der Pulpahöhle gegen die Aussenwelt (Karies, Fraktur, unsachgemässes Zahnschleifen, zu viel Hitze)
Ist es durch Karies oder Zahnfraktur als Folge von Zementhypoplasie zur Eröffnung der Pulpahöhle gekommen, so ist stets eine Pulpitis oder Paradontitis die Folge und der betroffene Zahn muss behandelt werden. Bakterien und Nahrungsmittelreste können in den Kanal gelangen und via Pulpa zur Infektion des apikalen Bereichs der Alveole führen. Die Infektion kann über das Foramen apikale das periapikale Knochengewebe erfassen, so dass eine apikale Paradontitis, Osteomyelitis oder eine Sepsis entstehen kann. Zahnfistel und Kieferhöhleninfektionen können die Folge davon sein.
Durch die Entzündung kommt es zu einer raschen Nekrose der Pulpa mit einer Zerstörung des Bindegewebes, der Blutgefässe, der Nerven und der Odontoblasten. Dadurch kann kein Ersatzdentin mehr produziert werden, wodurch die Pulpahöhle eröffnet wird und Futterpartikel in den Zahn eindringen können.
Die Pulpitis führt in der Regel zu einer Alveolarperiostitis und weiter zu einem Zahnabszess sowie einer Zahnfistel.
In der Regel ist eine Zahnextraktion erforderlich. Zahnwurzelresektionen mit Zahnfüllungen sind nur im Frühstadium erfolgreich.
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Operationsbild einer Sinusitis infolge einer Alveolarperiostitis. Die Alveolenwand ist aufgelöst, so dass die Zahnwurzeln direkt sichtbar sind im eröffneten Maxillarsinus |
Unter der Alveolarperiostitis versteht man die Entzündung
des Zahnfaches = Periodontium.
Primäre Alveolarperiostitis:
Beginnt häufig mit einem bukkalen (lateralen) Zahnfleischspalt, der erodiert wird und so zu einer Tasche führt. Dort werden Futterreste eingeklemmt, was zu einer weiteren Ausdehnung der Entzündung führt.
Sekundäre Alveolarperiostitis:
Eine bestehende Pulpitis kann über den Wurzelkanal auf das Periodontium übergreifen, so dass eine apikale Alveolarperiostitis entsteht.
Die apikale Alveolarperiostitis kann zur Bildung von periapikalen Abszessen oder Granulomen mit nachfolgender Zahnfistel führen. Bei chronischer Alveolarperiostitis kann es zu einer ossifizierenden Periostitis des Kieferknochens mit einer starken Umfangsvermehrung kommen.
Auftreibungen in der Wurzelregion des betroffenen Zahnes im Bereich des Unterkiefers und im Bereich der Prämolaren des Oberkiefers. Sinusitis maxillaris, wenn P 4 bzw. die Molaren des Oberkiefers betroffen sind.
Abmagerung, Anorexie, abnorme Kopfhaltung, stinkender Maulgeruch, Nasenausfluss
Für eine sichere Diagnose ist eine radiologische oder comptuertomographische Untersuchung erforderlich.
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Röntgenbilder einer Alveolarperiostitis vom zweiten Prämolaren (206) |
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Konservative Therapie: NSAIA für 1 Woche, Antibiotika (Sulfonamid-Trimethoprim, 30 mg/kg sid/bid und Metronidazol, 25 mg/kg bid für 6 Wochen)
In den meisten Fällen ist eine Zahnextraktion erforderlich. Zahnwurzelresektionen mit besonderen Zahnsubstanzen sind in Einzelfällen erfolgreich.
Zahnkorrekturen mittels verschiedener Instrumente zählen zu den häufigsten Tätigkeiten in der Pferdepraxis. Auch wenn diese Tätigkeit Erinnerungen an das Mittelalter weckt und so manchen Pferdebesitzer erschreckt, zählt diese Tätigkeit zu den anspruchsvollsten Behandlungen in der Pferdepraxis. Nur eine gute theoretische Ausbildung zusammen mit einer grossen Erfahrung führen zu einem guten Resultat.
Allgemein muss immer beachtet werden, dass bei dieser Tätigkeit keine Schleimhautverletzungen oder Zahnfrakturen verursacht werden. Auch muss immer die Tetanusprophylaxe konrolliert werden.
Die meisten Behandlungen werden am sedierten Pferd durchgeführt. Eine Sedation mit Alpha 2 Agonisten erleichtert die Arbeit für den Tierarzt, verbessert die Qualität der Arbeit und ist zudem dank seiner analgetischen Wirkung für das Pferd viel angenehmer.
In allen Fällen sollte auch ein Maulgatter verwendet werden. Es ist jedoch wichtig, dass das Maulgatter immer so wenig wie möglich geöffnet wird, um nicht das Kiefergelenk zu sehr zu beanspruchen.
Die Pferdezähne können auf verschiedene Arten gekürzt werden. Der Einsatz von verschiedenen Raspeln und elektrischen Zahnschleifmaschinen führt zu den besten Resultaten. In frühreren Zeiten wurden noch Zahnschneideinstrumente verwendet, die jedoch zu Zahnfrakturen führen können, so dass diese heute nicht mehr verwendet werden.
Eine Unzahl von Raspeln stehen heute dem interessierten Pferdetierarzt zur Verfügung. Sie unterscheiden sich durch die Länge, den Handgriff, den Winkel des Raspelteils und durch deren Form. Weiter gibt es Raspeln, deren Vorderteil auswechselbar oder fest mit dem Griff verbunden ist.
Auf dem Markt sind verschiedene Zahnschleifmaschinen erhältlich. In der Praxis hat sich das Schweizer Modell von Eisenhut am besten bewährt.
1. Zuerst sollte das Maul gespült werden
2. Dann werden mit der Zahnschleifmaschine starke Zahnveränderungen beseitigt. Die Maschine sollte dabei kontrolliert und systematisch eingesetzt werden. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn man am dritten Molaren beginnt und so die einzelnen Zähne bis zum zweiten Prämolaren korrigiert. So können Haken, Spitzen und auch Wellen korrigiert werden. Für die vorderen Prämolaren muss die Maschine von der Seite angesetzt werden. Zwischendurch muss das Schleifblatt gereinigt werden.
3. Anschliessend werden mit den Raspeln die verschiedenen Feinkorrekturen vorgenommen. So muss der dritte Molare gerundet werden, weiter müssen die vorderen Prämolaren noch regelmässig geschliffen werden. Auch der besondere Trensenschliff benötigt eine Korrektur mit der Raspel.
4. Danach werden die Hakenzähne gerundet
5. Zum Schluss werden dann noch Korrekturen an den Schneidezähne vorgenommen.
Die Endodontie beschäftigt sich mit der Erkrankung und Behandlung der Pulpa. Das Ziel dieser Technik ist die Behandlung der Pulparkrankungen mit der Erhaltung des Zahnes.
Alle behandelten Patienten sollten während 1-2 Wochen mit
Antibiotika versorgt werden.
Bei einer frischen Verletzung der Pulpa muss die Pulpa nicht vollständig entfernt werden.
Die veränderte Pulpa wird entfernt und gespült mit H2O2 oder Kalziumhydorxidflüssigkeit oder einer desinfizierenden Lösung.
Anschliessend muss die Pulpa gut getrocknet werden: Gaze und Epinephrin
Anschliessend wird die Pulpahöhle definitiv verschlossen mit Kalziumhydroxid: Diese Substanz darf während 3 Monaten nicht belastet werden
Bei frischen Zahnfrakturen kann die Pulpa teilamputiert werden. Bei den Kleintieren werden ca. 3 mm entfernt; weiteres Vorgehen siehe oben
Darunter versteht man eine vollständige Entfernung der Pulpa; dies ist indiziert, wenn die Pulpa infiziert ist.
Darunter versteht man eine Demarkation der Pulpa durch den Körper und ihre sterile Mumifikation
Verbindet sich nicht mit der Zahnsubstanz, so dass ein Unterbau geschliffen werden muss, was natürlich zu einem Substanzverlust führt.
Wird in der Veterinärmedizin nicht verwendet
Das Glasionomer verbindet sich direkt mit der Zahnsubstanz
Es besteht aus einem Aluminiumsilikatpuder , das mit Polyacrylsäure vermischt wird.
Die verschiedenen Komposite können mit Licht in der Polymerisation gestartet werden. Es wird jeweils wenig aufbebracht und dies dann mit UV Licht gehärtet. Dies ist ein zeitaufwendiger und langweiliger Prozess.
Damit wird die Zahnoberfläche vorbereitet, womit eine bessere Haftung erreicht wird. Diese Lösung wird mit einer Bürste auf die Zahnoberfläche gebracht und für ca. 30 Sekunden belassen. Anschliessend wird die Lösung mit Wasser entfernt und der Zahn getrocknet.
Nach den Säuren wird der Primer auf den Zahn aufgebracht und dort belassen. Er verbessert die Haftung des Komposits mit dem Dentin.
Wird selten verwendet
Ist ein sehr altes Material, das die Pulpa lokal abtötet und gleichzeitig die Dentinbildung fördert.
Spülen und etwas abdecken
Dann alle verschmutzen Teile entfernen und nochmals sauberer
abdecken
Alle frakturierten Teile des Zahnes müssen entfernt werden:
Den Pulpainhalt entfernen, je nach Art der Wurzelbehandlung verschieden viel
Dazu können auch Pfeifenputzer verwendet werden, gebogene Nadeln, Klemmen
Mit feinen Feilen die Pulpahöhleinnenfläche reinigen und glätten
Spülen mit Natriumhypochlorid (2 %), H2O2, Ringerlösung, bei Vitalamputation kein Natriumhypochlorid verwenden
Trocknen mit Paper Points, Luft, Pfeifenputzer, Sauge, Epinephrin
Schneidezahnfraktur: Vitalamputation |
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Guttaperchastifte in die Pulpahöhle geben, nur bei Totalexstirpation
Dann mit Kalziumhydroxid die Pulpahöhle füllen: dies ist ein Pulver, das man in die Pulpahöhle einbringt
Besondere Mischungen mit: Endomethason, Zinkoxid, Reogan, Eugenol werden häufig verwendet
Nach dem Kalziumhydroxid wird ein Leim aufgebracht, um die Pulpahöhle definitiv zu verschliessen
Definitive Füllung mit Composite.
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blaue Lösung, damit wird der Schmelz entfernt
Damit werden die Poren vom Dentin vergrössert
1-2 mm dick auftragen, dann mit UV Lich härten
Wurzelspitze sollte im Winkel von 45 Grad abgesetzt werden
Wurzelkanal erweitern und Pulpa entfernen
Wurzelkanal retrograd behandeln: Inhalt entfernen, spülen, reinigen, desinifzieren, Zement einbringen und Verschluss mit Glasionomerzement
Die operative Entfernung wird je länger je mehr durch endodontische Behandlungsmethoden ersetzt. Doch in manchen Fällen ist die Extraktion bzw. Repulsion der Zähne erforderlich, so dass dies hier auch beschrieben werden soll. Die häufigsten Indikationen sind eine Alveolarperiostitis; auch eine eitrige Pulpitis sowie Zahnfrakturen und Zahnkaries können eine Zahnextraktion erforderlich machen. Das Ziel der Zahnheilkunde ist es, den Zahn zu erhalten, so dass die Extraktion immer die letzte Möglichkeit der Behandlung eines Zahnproblems darstellt. Im folgenden soll die Extraktion der Schneide-, Eck-, Wolf- und Backenzähne beschrieben werden.
Schneidezähne müssen relativ selten extrahiert werden. Die langen und zudem noch stark gebogenen Wurzeln erleichtern das Vorhaben nicht besonders stark, so dass man die Indikationen auch relativ eng stellt. Vor allem bei jungen und mittelalterlichen Pferden ist die Extraktion der Schneidezähne sehr schwierig. Somit wird heute in der Regel der geschädigte Schneidezahn durch endodontische Massnahmen behandelt.
Bei Kieferfrakturen wird immer versucht, die Zähne zu erhalten, weil sie in der Stabilisation des Kieferknochens mithelfen.
Stark veränderte oder lockere Schneidezähne können am stehenden sedierten Pferd entfernt werden. Hingegen sind intakte Schneidezähne sehr schwierig zu entfernen, erfordern in der Regel einen grösseren chirurgischen Eingriff, so dass dies in Allgemeinanästhesie durchgeführt werden muss.
Lockerung des Zahnes: Bein’sche Hebel
Hohlmeissel eignen sich gut zur Lockerung der Zahnwurzeln
Zahn mit Extraktionszangen weiter lockern und den Zahn intoto extrahieren.
Bei jungen und mittelalterlichen Pferden muss der Alveolarknochen teilweise entfernt werden, damit der Zahn entfernt werden kann. Dazu wird die Schleimhaut längs über dem betroffenen Zahn auf der labialen Seite eingeschnitten und wegpräpariert. Anschliessend wird der Alveolarknochen über dem betroffenen Zahn mit einem Meissel oder Osteotom soweit wie möglich entfernt. Dabei muss die Reservekrone und die Wurzel freigelegt werden. Man erhält einen dreieckigen Alveolarknochendefekt. Anschliessend muss der Zahn aus dem umgebenden Knochen freigelegt werden. Dazu wird das Periodontium mit einem Meissel gelöst und der Zahn ausgehebelt.
Anschliessend wird der Zahn sowie alle losen Fragmente entfernt und die Wundhöhle ausgiebig gespült. Die Wundhöhle wird mit dem scharfen Löffel kürrettiert und
Blutungen werden mit in Ephedrin getränkten Tupfern gestoppt.
Die Canini besitzen ähnlich wie die Schneidezähne lange und stark gebogene Wurzeln, was die Extraktion deutlich erschwert.
Aehnlich wie bei den Schneidezähnen muss auch hier der Alveolarknochen entfernt werden, damit die Wurzeln gelockert werden können. Dazu wird zuerst die Schleimhaut und anschliessend der Knochen lateral von der Reservekrone und der Wurzel entfernt.
Auf keinen Fall ist es möglich, den Zahn ähnlich den Wolfszähnen nur mit einem Bein’schen Hebel zu lösen und dann zu extrahieren.
Je nach Land ist die Philosophie, ob die Wolfszähne entfernt oder belassen werden sollten, verschieden. In manchen Ländern werden sie bei allen Pferden routinemässig entfernt, während in anderen Ländern dieser Eingriff nur selten durchgeführt wird.
Der Wolfszahn muss vor der Entfernung zuerst gelockert werden. Dazu wird zuerst das Zahnfleisch um den Wolfszahn mit einem Raspatorium oder dem Bein’schen Hebel entfernt. Anschliessend wird die Wurzel in der Alveole gelockert. Mit dem Bein’schen Hebel oder besonderen Hohlmeisseln wird dazu das Periodontium so weit wie möglich zerstört. Wenn der Zahn gut gelockert ist, kann der Zahn mit besonderen Extraktionszangen vorsichtig weiter gelockert und dann extrahiert werden.
Auf alle Fälle muss verhindert werden, dass der Zahn bzw. die Wurzel bricht und in der Alveole zurückbleibt.
Weiter muss man beachten, dass die A. palatina in der unmittelbaren Nähe des Wolfszahnes verläuft und damit leicht geschädigt werden kann.
Als die Allgemeinanästhesie des Pferdes noch mit grossen Risiken verbunden waren, wurden die meisten Backenzähne durch die Maulhöhle extrahiert. Mit der Verbesserung der Anästhesie und auch den Operationstechniken wurden jedoch immer mehr Zähne chirurgisch durch Repulsion entfernt. In den letzten Jahren hat jedoch die Extraktion auch von Backenzähnen eine Renaissance erlebt, was nicht zuletzt durch bessere Extraktionsinstrumente begünstigt wurde.
Schematische Zeichnung einer Zahnextraktion durch die
Maulhöhle mit einer Extraktionszange
Die Zahnextraktion ist im allgemeinen bei den Pferden sehr schwierig und manchmal auch unmöglich. Dies hängt einerseits mit dem geringen Platzangebot in der Maulhöhle zusammen und andererseits mit den langen Reservekronen, die über das Periodontium äusserst stabil in der Zahnalveole befestigt sind. Die Komplikationsrate nach Zahnextraktionen ist wesentlich kleiner als nach chirurgischen Zahneingriffen, so dass in den meisten Fällen zuerst versucht werden soll, die Zähne durch die Maulhöhle zu entfernen. Voraussetzung ist natürlich, dass man den Zahn mit der Extraktionszange gut fassen kann. Somit sind Pferde mit Zahnfrakturen oder ausgedehnter Karies schlechte Patienten. Auch ist das Platzangebot bei jungen Pferde viel schlechter als bei alten und die hinteren Backenzähne sind natürlich viel schwieriger als die vorderen.
Milchzähne: Milchzähne können mittels Extraktionszangen entfernt werden.
Frakturierte Zähne: Zahnfragmente können mittels Extraktionszangen entfernt werden.
Infizierte Zähne: Stark veränderte Zähne können in der Regel auch bei jungen Pferden entfernt werden.
Alte Pferde: Bei älteren Pferden ist die Zahnextraktion meistens gut möglich. Aber beachte, dass jede Zahnextraktion bei einem alten Pferd zu einer Schwächung der benachbarten Zähne führt und daher nur in Ausnahmefällen und bei unzweifelhafter Diagnose durchgeführt werden sollte.
Am sedierten Pferd: Die
Zahnextraktion kann am sedierten Pferd durchgeführt werden. Bei äusserst
schwierigen Pferden kann eine Allgemeinanästhesie erforderlich werden, wobei
das Pferd vorzugsweise nasal
intubiert werden sollte. Am stehenden Pferd hilft eine Lokalanästhesie des N.
mandibularis, infraorbitalis bzw.
mentalis bei der Extraktion deutlich. Für die Anästhesie der Prämolaren muss
die Nadel in das For. mentale bzw. infraorbitale geschoben werden.
Beinsche Hebel: Beinsche Hebel mit langen Handgriffen sollen zwischen den Zahn und die Alveole geschoben werden, um einerseits das Zahnfleisch zu lösen und zudem das Periodontium weiter zu lockern.
Molarspreizer: Mit Molarspreizer können Backenzähne etwas gelockert werden. Die Backen dieser Zähne müssen kaudal und rostral des entsprechenden Backenzahnes eingeführt und dann geschlossen werden. Bei unvorsichtiger Anwendung können aber auch die gesunden Zähne gelockert werden. Aus diesem Grunde ist eine äusserst sorgfältige Anwendung dieser Instrumente erforderlich, was vor allem für die Extraktion von P3 und M2 gilt, weil P2 und M3 keine stabilisierenden benachbarten Zähne haben. Die Backen werden geschlossen und während 5 Minuten wird das Instrument leicht auf beide Seiten bewegt. Langsame Bewegungen lösen den Zahn besser als hastige, nervöse, ruckartige und spatische Lösungsversuche. Sobald man die Backen auf beiden Seiten des Zahnes schliessen kann, soll nochmals die Schleimhaut und evt. das Periodontium gelöst werden.
Extraktionszange: Diese Zangen besitzen stumpfe Backen, mit denen die Zähne fixiert werden können, ohne dass diese frakturieren sollten. Mit diesen Zangen soll der Zahn durch Horizontal- und Vertikalbewegungen allmählich und kontinuierlich gelockert werden. Es ist wichtig, dass die Backen der Extraktionszangen mit einem Draht oder einer festen Schnur in geschlossener Position fixiert werden, damit die ganze Kraft für die Lockerungsübungen aufgewendet werden kann. Bei stark veränderten Zähnen dürfen die Extraktionszangen nicht zu fest fixiert werden, weil dadurch die Zähne frakturieren können.
Die Lösungsversuche müssen langsam durchgeführt werden; sobald man quatschende Geräusche hört, kann man davon ausgehen, dass der Zahn gelockert wird. Ein Zahn eines Pferdes ist mit einem Zaunpfahl vergleichbar, so dass sich die Zahnwurzel nur wenig bewegt, auch wenn man das Gefühl hat, dass die Krone sehr beweglich ist und somit der Zahn locker sein sollte.
Der Molarspreizer und die Extraktionszangen müssen abwechselnd gebraucht werden, um den Zahn zu lockern. Die entstehenden Blutungen können zu einem Druckaufbau im Zahnfach führen und so den Zahn weiter lockern.
Fulkrum bzw. Hypomochlion: Erst wenn der Zahn locker ist, kann dieser extrahiert werden. Diese Instrumente werden auf den kranial des zu entfernenden Zahnes gebracht, damit diese als Unterlage für die Extraktionszange dienen können. Wenn der Zahn zu lange ist für eine Extraktion, kann dieser vorher noch gekürzt werden mit einer Schneidezange.
Nachbehandlung:
Das Extraktionsloch kann anschliessend mit einer Gazekompresse gefüllt werden. Diese sollte täglich während ca. 10 Tagen gewechselt werden. Anstelle einer Gazekompresse kann auch eine Kunstmaterial wie Silikon oder PMMA in die Alveole gegeben werden. Diese darf nicht den Boden der Alveole erreichen, weil sonst das Granulationsgewebe den „Ersatzzahn“ rasch herausschiebt.
In allen Fällen sollten Antibiotika und Entzündungshemmer systemisch für ca. 5 Tage verabreicht werden. Röntgenbilder unmittelbar nach der Extraktion und auch nach einigen Wochen sind angezeigt. Die Zähne müssen natürlich regelmässig kontrolliert und der Antagonist regelmässig gekürzt werden.
Allgemein:
Bei diesem Vorgehen wird die Backe des Pferdes chirurgisch gespalten, um einen seitlichen Zugang zum Zahn zu erhalten. Diese Technik kann angewendet werden, um Zugang zu den ersten vier Oberkiefer- und allen Unterkieferbackenzähne zu erhalten. Diese Technik ist aufgrund der sicheren Lokalisation des Zahnes und der direkten Beurteilung der Alveole der Repulsion in gewisser Hinsicht überlegen.
Ein weiterer Vorteil besteht in der schonenden Entfernung des Zahnes. Dadurch wird die Alveolenwand nur lateral beschädigt und bleibt im Bereich der Wurzel und medial vollständig erhalten. Der grosse Nachteil dieser Operationstechnik ist aber der komplizierte Zugang. Viele Gefässe und Nerven müssen umgangen werden und der D. parotideus stellt häufig ein unüberwindbares Hindernis dar und muss daher manchmal geopfert werden. Auch kann es infolge einer Nevenläsion zu langandauernden Lippendeviationen kommen. Aus diesem Grund wird von den meisten Chirurgen die Repulsion durch einen kleinen Zugang im Bereich der Zahnwurzel bevorzugt.
Komplikationen:
Es kann im Anschluss an die Operation zu einer teilweisen oder vollständigen Lähmung der Oberlippe kommen. Dies entsteht durch eine direkte (Durchtrennung) oder indirekte Schädigung (Entzündung) des R. buccalis dorsalis (Ast des N. facialis), der an die Oberlippe geht.
Durch die Bukkotomie kam es zu einer Schädigung eines R. buccalis dorsalis (Ast des N. facialis), was eine Lähmung der Oberlippenmuskulatur zur Folge hat. Diese Lähmung stört das Pferd in der Regel wenig und ist auch innerhalb von kurzer Zeit reversibel |
Bei den Backenzähnen kann es erforderlich werden, dass diese von der Wurzel her herausgeschlagen werden müssen, was als Ausstempeln bezeichnet wird. Der Ausdruck kommt daher, dass man dazu stempelähnliche Instrumente verwendet.
Früher wurde häufig nur ein kleiner Zugang zu der Zahnwurzel gewählt; Dazu wurde mit einem sogenannten Krontrepan ein kleines Knochenstück über der Zahnwurzel entfernt und anschliessend mit dem Stempel der entsprechende Zahn herausgeschlagen. Im Bereich des Sinus maxillaris wird dies heute nur noch selten gemacht, weil über einen Flap ein besserer Zugang zum Sinus erreicht wird, so dass eine bessere Beurteilung des Sinus möglich ist. Zudem ist das kosmetische Resultat nach einem Flap wesentlich besser. Weiter kommt es häufig infolge einer Alveolarperiostitis zu Eiteransammlungen oder Abszessen, die unbedingt auch saniert werden müssen.
Bevor der Zahn von der Wurzel her herausgeschlagen wird, sollte dieser immer im Bereich der Maulhöhle von der Schleimhaut losgelöst werden. Auch ist es vorteilhaft, wenn der Zahn zusätzlich durch Extraktionszangen gelockert wird.
Das Operationsgebiet wird grossflächig ausgeschoren und das Pferd soll nasal intubiert werden, damit man mehr Platz in der Maulhöhle hat.
Bereits vor der Operation wird der zu entfernende Zahn radiologisch genau lokalisiert. Dies kann mithilfe von 2 Kanülen erfolgen. Eine grosse Hilfe stellt die Fistel dar, die in den meisten Fällen direkt auf den veränderten Zahn führt.
Zuerst muss die Zahnwurzel des zu entfernenden Zahnes freigelegt werden. Die Zahnwurzeln im Sinus maxillaris, P4, M1, M2, M3 werden durch einen Maxillarflap freigelegt, und dann beurteilt. Die anderen Wurzeln können entweder durch eine Bukkotomie oder ein Knochenfenster über der Zahnwurzel freigelegt werden.
Hautschnitt, dann stumpfes Präparieren auf das Periost. Mit einem Osteotom oder einer oszillierenden Säge wird dann ein Knochendefekt angelegt. Anstelle des Osteotoms kann auch ein Krontrepan verwendet werden.
Anschliessend muss der Zahn sicher lokalisiert werden. Dies erreicht man in der Regel mit einer Röntgenkontrolle oder im Bereich des Sinus maxillaris aufgrund der Lokalisation.
Danach setzt man einen Stempel auf, der die Grösse des Zahnes hat. Mit der einen Hand wird der Stempel auf der Zahnwurzel festgehalten und mit der anderen Hand kontrolliert man in der Maulhöhle, ob auch der richtige Zahn herausgeschlagen wird. Feine Virbrationen zeigen an, dass der richtige Zahn bearbeitet wird. Der Assistent muss mit kräftigen Schlägen den Zahn herausschlagen. Nach dem Entfernen des Zahnes wird die Alveole sorgfältig kurrettiert, um alle verbleibende Zahnreste zu entfernen. Eine Röntgenkontrolle nach der Zahnentfernung schafft letzte Sicherheit, dass der gesamte Zahn entfernt wurde.
Oeffnungen in den S. maxillaris müssen verschlossen werden. Dazu eigent sich eine Kunststoffmasse, Technovit®, am besten. Fakultativ können auch Silikonmassen wie Reprosil® verwendet werden.
Häufig muss der Sinus nach Zahnoperationen tamponiert und auch drainiert werden.
Die Komplikationsrate von Zahnoperationen ist beim Pferd sehr hoch und erreicht je nach Autor Zahlen von 20-60 %. Starke Blutungen, unvollständige Entfernung des veränderten Zahnes, Beschädigung von benachbarten Zähnen, Sequesterbildung und Fistelbildungen können vorkommen. Auch übersehene Abszesse in bestimmten Konchen und auch eine falsche Diagnose können weitere Komplikationen darstellen.
Eine genaue Diagnosestellung, eine sorgfältige Planung der Operation und gutes postoperatives Management kann die Komplikationsrate reduzieren. Auch sollten mehrere Röntgenaufnahmen während der Operation gemacht werden, um den richtigen Zahn sicher zu lokalisieren und diesen auch vollständig zu entfernen.
Blutungen: Infolge der guten Durchblutung der Konchen kann es zu starken Blutungen während der Operation kommen. Aus diesem Grund ist eine gute Tamponade am Ende der Operation essentiell.
Zahnfraktur: Der Zahn kann bei Extraktionsversuchen gebrochen werden, wodurch die Extraktion unter Umständen unmöglich und eine chirurgische Entfernung erforderlich wird.
Verletzung der A. palatina major: Diese Arterie liegt einige Millimeter medial der Backenzähne und kann verletzt werden. Dies führt zu massiven Blutungen und das Gefäss muss so rasch wie möglich mittels Kompressen geschlossen werden.
Beschädigung von anderen Zähnen: Benachbarte Zähne können bei unvorsichtiger Arbeitsweise beschädigt werden.
Fistelbildungen:
Im Anschluss an Zahnoperationen können infolge von Knochensequester,
Fremdkörper, Zahnfragmenten verschiedene Fisteln entstehen. Die Ursache muss
gefunden und beseitigt werden. Gleichzeitig soll der Fistelkanal mit PMMA
verschlossen werden.